Ein Jahrhundert Volkspark aufgearbeitet: LG-Sportwart Carlo Schramm (l.) – mit einem Holzspeer und Laufschuhen von einst – und der FCE-Medienbeauftragte Adrian Grodel plauderten aus dem Volkspark-Nähkästchen.

 

Mit einer Zeitreise durch fast hundert Jahre Sportgeschichte im Bamberger Fuchs-Park-Stadion begeisterten Adrian Grodel und Carlo Schramm beim Themenabend des Bürgerparkvereins rund 40 Interessierte.

 

Das Fuchs-Park-Stadion steht seit nahezu hundert Jahren im Mittelpunkt des Bamberger Sports. Beim Themenabend des Bürgerparkvereins Bamberger Hain blickten Adrian Grodel (FC Eintracht Bamberg) und Carlo Schramm (LG Bamberg) auf bewegte Jahrzehnte zurück. Die Veranstaltung stand unter dem Leitthema „Der Volkspark und sein 100-jähriges Bestehen“. Grodel und Schramm berichteten vor rund 40 Gästen mit zahlreichen Anekdoten von sportlichen Höhepunkten, Fehltritten und Veränderungen.

 

Grodel erinnerte in seiner Bild-Präsentation an das erste Fußballspiel in der Hauptkampfbahn im September 1926: Der 1. FC Bamberg spielte vor 4000 Zuschauern 2:2 gegen den amtierenden Deutschen Meister 1. FC Nürnberg. Nur wenige Jahre später nutzten die Nationalsozialisten den Volkspark für politische Zwecke. Während Deutschland in den Abgrund rutschte, feierte der FC Bamberg sportliche Erfolge: Der Verein stieg in die höchste Liga auf, das Stadion fasste bald 27.000 Zuschauer und erhielt eine Holztribüne. Nach dem Krieg lockte das erste internationale Spiel (1:2 gegen Vienna Wien) 10.000 Zuschauer an.

 

Erfolge und Höhepunkte

In den 1960er und 70er Jahren erlebte das Stadion weitere Höhepunkte. Grodel, Medienbeauftragter des FC Eintracht Bamberg, hob besonders den Stürmer Dieter Zettelmaier hervor, der in die Amateur-Nationalmannschaft berufen wurde. Legendär blieb das Gastspiel des FC Bayern München im Juli 1976, als die Bamberger eine 1:12-Niederlage kassierten; für Grodel bleibt das Einlaufen von Kapitän Adolf Leicht mit Franz Beckenbauer „ein Foto für die Ewigkeit“. Zwei bemerkenswerte Ereignisse aus der Bayernliga-Zeit steuerte Grodel ebenfalls bei: Die Münchner Löwen unterlagen 2:4 im Volkspark, und ein skurriles Eigentor eines Regensburgers vom Mittelkreis ins eigene Tor wurde als „Tor des Jahrzehnts“ gefeiert.

Auch der SC 08 Bamberg und der FV 1912 Bamberg machten im Stadion Geschichte, etwa mit DFB-Pokal-Spielen vor ausverkauften Rängen. 15.000 Zuschauer sahen ein Pokalduell der Nullachter gegen Eintracht Frankfurt.

 

Neue Euphorie durch Fusion

Die Fusion von FC Bamberg und TSV Eintracht Bamberg zum FC Eintracht Bamberg brachte zu Beginn der 2000er Jahre neue Euphorie: Die Zuschauerzahlen explodierten von 300 auf fast 5000 pro Spiel, berichtet Grodel. Mit dem Bau der neuen Haupttribüne 2009 startete die Ära des Flutlicht-Fußballs, Rekorde wurden gefeiert. Doch der Stadionalltag hatte auch Schattenseiten: Die Folgen eines Wasserschadens von 2018 sind immer noch spürbar, Flutlicht-Probleme sorgen für Ärger.

 

Carlo Schramm, Sportwart der LG Bamberg, zog Parallelen zwischen Veränderungen im Sport und dem Ausbau der Stadion-Infrastruktur. „Früher sprangen Stabhochspringer mit Bambusstangen, Hochspringer landeten ohne Matten im Sand, und auf der Aschenbahn liefen Athleten mit 15-Millimeter-Nägeln“, schilderte Schramm, der auch einen Holzspeer präsentierte und Hammerwerfen ohne Sicherheitsnetz auf Fotos zeigte. Für Staunen sorgte auch die Erinnerung an Klaus Wolfermann, Olympiasieger im Speerwurf von 1972, der seine Visitenkarte in Bamberg abgab.

 

Dringende Sanierungsbedarfe

Schramm spricht offen die Probleme an: Wegen der maroden Kunststoffbahn aus dem Jahr 1976 können im Jubiläumsjahr keine Meisterschaften im Stadion stattfinden. „Wir brauchen dringend eine wettkampfgerechte Anlage“, fordert er, nicht nur für die LG, sondern auch für den Schulsport.

 

Foto und Text: Bertram Wagner